Modalpartikeln im Deutschen als Komponenten eines modal-bewertenden Rahmens

TSU, 107 - 14.40-15.05

Modalpartikeln im Deutschen verfügen über mehrere Eigenschaften, die von vielen Sprachforschern beschrieben wurden (Meibauer 1994), (Eroms 2000), (Weydt 2006), (Weydt 2010), (Abraham 2010). Es gibt noch einige Besonderheiten, die die Eigenart von Modalpartikeln prägen:

- wenn Modalpartikeln mit Modalwörtern kombiniert werden, stehen sie vor Modalwörtern (Coniglio 2011) und

- sie sind nicht in allen Nebensatztypen möglich (Thurmair 1989, Coniglio 2011, Averina 2015).

Aus der Analyse des faktischen Stoffes ergibt sich, dass Modalpartikeln in einigen Typen von Nebensätzen verwendet werden können, wenn sie mit anderen modalen Einheiten kombiniert werden, z.B. mit Modalverben, Modalwörtern usw., vgl.:

(a) Dort geht jetzt die Zahl der Leberkrebsfälle langsam zurück, nachdem man (*ja) vor etwa zwanzig Jahren Massenimpfungen gegen Hepatitis B durchgeführt hat.

(b) Dort könnte jetzt wahrscheinlich die Zahl der Leberkrebsfälle langsam zurückgehen, nachdem man (+ja) vor etwa zwanzig Jahren Massenimpfungen gegen Hepatitis B durchgeführt hat. 

Dieselbe Gesetzmäßigkeit kann beobachtet werden, wenn Modalpartikeln nach Modalwörtern stehen. Aus diesem Grund möchte ich Modalpartikeln als Komponenten eines modal-bewertenden Rahmens betrachten.

In meinem Beitrag möchte ich auf folgende Fragen eingehen:

(1) Was ist eigentlich ein modal-bewertender Rahmen?

(2) Welche Komponenten enthält der modal-bewertende Rahmen?

(3) In welchen Satzteilen gruppieren sich modale Elemente als Komponenten des modal-bewertenden Rahmens?

(4) Welche Eigenschaften von Modalpartikeln machen sie zu zentralen Komponenten des modal-bewertenden Rahmens?

Die Untersuchung basiert auf dem Web-Korpus COW der Freien Universität zu Berlin, auf dem Korpus DeWaC der Humboldt-Universität zu Berlin sowie auf dem Zeitungskorpus DWDS.

 

Literatur

Abraham, Werner (2010): Diskurspartikel zwischen Modalität, Modus und Fremdbewusstseinsabgleich. In: Harden, Theo/ Hentschel, Elke (Hrsg.): 40 Jahre Partikelforschung.  Stauffenburg Verlag: Tübingen, S. 33-78.

Averina, Anna (2015): Partikeln im komplexen Satz. Mechanismen der Lizenzierung von Modalpartikeln in Nebensätzen und Faktoren ihrer Verwendung in komplexen Sätzen. Frankfurt-am-Main: Peter Lang.

Coniglio, Marco (2011): Die Syntax der deutschen Modalpartikeln. Ihre Distribution und Lizenzierung in Haupt- und Nebensätzen. Akademieverlag: Berlin.

Eroms, Hans-Werner (2000): Syntax der deutschen Sprache. Walter de Gruyter: Berlin et al.

Meibauer, Jörg (1994): Modaler Kontrast und konzeptuelle Verschiebung. Studien zur Syntax und Semantik deutscher Modalpartikeln. Niemeyer Verlag: Tübingen.

Thurmair, Maria (1989): Modalpartikeln und ihre Kombinationen. Niemeyer Verlag: Tübingen.

Weydt, Harald (2006): What are particles good for? In: Kerstin Fischer (ed.). Approaches to discourse particles (Studies in pragmatics 1), 205-218. Amsterdam-New York: Elsevier.

Weydt, Harald (2010): Abtönungspartikeln und andere Disponible. In: Theo Harden & Elke Hentschel (Hrsg.): 40 Jahre Partikelforschung. Stauffenburg Verlag: Tübingen 2010, S. 10-32.

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