Das Problem der Konfixe im Deutschen

TSU, 107 - 15.35-16.00

Präzise Beobachtungen der Sprachwirklichkeit führen immer zu interessanten Fragestellungen und in der theoretischen Explikation zugleich zu veranschaulichender Erklärung. Konfixe als Morphemklasse sind seit ungefähr drei Jahrzehnten im Blickfeld der Germanisten. Die ihnen neuerdings in der Wortbildungslehre gewidmete Aufmerksamkeit verdanken die Konfixe der Tatsache, dass die meisten von ihnen in den letzten Jahren erst aufgetreten und sogleich sehr produktiv geworden sind. Sie begegnen besonders häufig in modernen Medientexten. Der Status der Kategorie von Konfixen ist in der Fachliteratur umstritten. Der Beitrag geht der Frage nach, ob eine exakte Grenzziehung zwischen den Konfixen und anderen ähnlichen Morphemen möglich ist. Es wird die Frage erörtert, wie das Inventar der Konfixe zu ermitteln ist. Gemeint ist hier die Tatsache, dass es in der deutschen Sprache einige ähnliche Morpheme gibt, die genauso über eine ziemlich präzise lexikalisch-begriffliche Bedeutung verfügen, positionsfest sind und einen, wenn auch in unterschiedlichem Maße, reihenbildenden Charakter aufweisen. Im Beitrag werden die Konfixe auch im Hinblick auf die Rechtschreibregeln charakterisiert. Normalerweise werden Konfixbildungen ohne Bindestrich geschrieben, aber bei manchen Wortbildungskonstruktionen mit Konfixen sind Bindestrichschreibungen möglich (Eurocityzug – Eurocity-Zug). Im Beitrag werden auch Synonymierelationen zwischen zwei oder mehr Konfixen beschrieben (Biobauer – Ökobauer). Synonymierelationen werden ebenso zwischen Konfixbildung und lexikalisierter bzw. syntaktisch konstruierter expliziter Nomination betrachtet (Euromarkt – Europamarkt – europäischer Markt).

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