TSU, 101 | Moderation: Prof. C. Gansel - 14.30-14.55

Alexander von Humboldt und seine literarische Darstellungen

Hiroko Masumoto (Kobe University)

Als vielseitiger Naturforscher genoss Alexander von Humboldt schon zu seiner Lebzeit ein hohes Ansehen und seine Bücher waren sehr populär. Im Vortrag wird gezeigt, wie seine Figur in den deutschsprachigen literarischen Werken repräsentiert ist.

Im Bildungsroman Der Nachsommer (1857) Adalbert Stifters gibt es eine eindrucksvolle Szene: als der Ich-Erzähler Heinrich Drendorf zum ersten Mal das „Rosenhaus“ besucht, dessen Besitzer später zu seinem Mentor wird, findet er im Lesezimmer Bücher von Homer, Shakespeare, Goethe usw. und greift zielsicher nach einem Buch von Alexander von Humboldt („Reise in die Äquinoctialländer“). Diese Szene zeigt, dass er den Naturforscher als sein Vorbild betrachtet. In der Tat erforscht er auf Wanderungen im Hochgebirge Pflanzen, Tiere und Gesteine. Sein Mentor, Freiherr von Risach, der auch leidenschaftlicher Naturforscher und Sammler ist, könnte als ein literarisches Abbild von Freiherr von Humboldt verstanden werden.

In der fiktiven Doppelbiographie Die Vermessung der Welt (2005) Daniel Kehlmanns ist die Figur des Naturforschers im Gegensatz zu Carl Friedrich Gauß eher ironisch dargestellt: Gauß verschreibt sich der Mathematik und bleibt immer zu Hause, während Alexander von Humboldt empirisch arbeitet und in die weite Welt zieht. Alexander von Humboldt, der in Südamerika erfolgreich exploriert hat, enttäuscht sich jedoch in Russland. Seine Russlandreise ist so gut organisiert, dass sie keine Entdeckungsreise mehr sein kann. Unerwarteterweise bietet sich Russland dem Reisenden nicht als Wildnis dar. Ans Sammeln und Messen war auch nicht mehr zu denken, weil der russischer Raum schon längst „vermessen“ war. Auch die politische Begrenzungen spielten beim Misserfolg eine wesentliche Rolle.

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