TSU, 101 | Moderation: Prof. C. Gansel - 15.45-16.10

Metafiktionale Strategien zur Erschaffung der ontotextuellen Welt im Werk von Giwi Margwelaschwili

Lali Ketsba-Khundadze (Staatliche Ivane Javakhishvili Universität Tbilissi)

Im Vortrag wird versucht, den Roman „Officer Pembry“ von Giwi Margwelaschwili in Bezug auf ontotextologische Ansätze des Autors zu interpretieren als das „Buch im Buch oder den Text im Text, die Romanwelt als die auf einen bestimmten, sie tragenden bzw. gründenden Text bezogene Lebenswelt der Buch- oder Romanpersonen“ (Giwi Margwelaschwili, Leben Im Ontotext, Neubrandenburg 1993 ).  

     Ausgehend von den ontotextologischen Thesen von G. M. betrachten wir den Roman „Officer Pembri“ als eine Form der Collage, als ein Operieren mit der Textualität eines Krimi-Prätextes des vorigen Jahrhunderts „Das Schweigen der Lämmer“ von Thomas Harris und als intellektuelles Spiel des Autors G. M. mit metafiktionalen und -textuellen Schreibstrategien, die dem Prozess der Dekonstruktion des fiktionalen Prätextes zu Grunde liegen. Dazu gehören intertextuelle Bezüge – ironisches Zitieren oder Paraphrasieren, Ersatz des Protagonisten des Prätextes (des intellektuellen Killers Hannibal Lecter durch die einfache Randfigur des Polizisten Pembry mit dem Ziel sein Schicksal zum Positiven zu ändern ), Besonderheiten der Erzählperspektive als Spiel mit dem Bewusstsein des Erzählers und der Narration, die Vagheit der Bedeutung des Gelesenen, rhizomatische Linien statt struktureller Verknüpfung mit dem Prätext, Polyphonie der parodierenden Stimmen und das Parodieren selbst der Gattung „Krimiroman“: Der Roman wird vom Autor spielend, mit leichter Ironie als “Ein Lese-Lebensgefährlicher Schmöker“ bezeichnet, wobei der Text eine Mischung des gewollten trivialen Scheins und eines intellektuellen Diskurses darstellt. So ist laut den Herausgebern „Officer Pembri ein spannender SciFi-Krimi und zugleich literarischer Hochgenuss“.  

   Mit den oben genannten Strategien wird die neue Konstruktion oder „ontokontextuelle Gestaltung“ einer „realen“ Lese-Lebenswelt bzw. Lese-Wirklichkeit erschaffen, nicht nur für den zur Hauptfigur gewordenen Officer Pembri, sondern auch für den Autor/Erzähler/Leser (Meinleser) und für alle Leser des Romans, den der Autor als ein postmodernes Überarbeiten des Krimi-Prätextes anbietet mit dem Ziel durch die Kunst ein neues textweltliches Sein der (Lese-)Lebenswelt und ihre Wahrheit zu erzeugen.

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