TSU, 101 | Moderation: Prof. H. Masumoto - 16.25-16.50

Künstler als Konstruktion in den modernen Kunstnarrativen (Daniel Kehlmanns Ich und Kaminski und Erekle Deisadzes Putzfrau)

Levan Tsagareli (Ilia State University, Tbilisi)

Im Beitrag werden jeweils ein deutscher und ein georgischer Künstlerroman vergleichender Analyse unterzogen, um die Merkmale aufzuzeigen, die die Repräsentation eines Künstlers in den Kunstnarrativen des 21. Jahrhunderts auszeichnen. Kunstnarrative werden dabei als selbstreflexive Indizien für diejenige Rolle betrachtet, welche die Literatur und die Kunst in einer globalisierten Gesellschaft spielen. Im Roman des bekannten deutschen Autors Daniel Kehlmann Ich und Kaminski (2003) und im Roman des jungen georgischen Autors Erekle Deisadze Die Putzfrau (2012) wird der gängige Künstlermythos dekonstruiert. Der Künstler wird nämlich als eine mediale und soziale Konstruktion dargestellt, die gar nichts mit der Inspiration oder Eingebung zu tun hat und dessen Existenz genauso kurzfristig ist, wie die eines jeden Erzeugnisses der modernen Industrie. In den beiden Texten richtet sich die Kritik an die Kunst als ein Subsystem innerhalb des modernen gesellschaftlich-kulturellen Systems, mit sämtlichen Akteuren, Institutionen und Vorgängen. Die vergleichende Analyse der Romane wird dazu dienen, einerseits die transkulturellen Konstanten der gegenwärtigen Künstlerromane festzustellen, und andererseits, die Unterschiede zutage zu bringen, die durch die kulturellen und gesellschaftlichen Faktoren in den jeweiligen Räumen bedingt sind. Im Fokus der Untersuchung werden die besondere Konfiguration (Kritiker – Maler, Herausgeber - Schriftsteller) und das eigenartige Handlungsschema (mit den Elementen eines Detektivromans) stehen, weil eben diese Elemente zur Parodierung und der subversiven Interpretation des klassischen Kunstnarrativs eingesetzt werden. Obwohl es im einen der zu behandelnden Texte um die Malerei und in dem anderen dagegen um die Literatur geht, wird infolge der Untersuchung deutlich gemacht, dass den beiden künstlerischen Medien in der heutigen Gesellschaft eine ähnliche, marginale Stelle zugewiesen wird.