TSU, 101 | Moderation: Prof. H. Masumoto - 17.15-17.40

Zur Vielschichtigkeit der Berliner Operette: Melodramatisierung und Selbstparodie

Sawako Ogawa (Universität Hokkaido)

Der vorliegende Beitrag legt den Fokus auf die Berliner Operette in der Zeit der 1920er bis 1930er Jahre. Die Berliner Operette der Weimarer Zeit hatte Elemente aus der Revue, dem Jazz oder dem Kino - also aus der typischen Populärunterhaltung - absorbiert und sich sehr rasch zu einer „modernen Operette“ gewandelt. Als konkrete Erscheinungsformen können die Melodramatisierung von Operetten, die Neuinszenierung von klassischen Operetten, die Adaptation von klassischen Operetten in Revue-Form, neue Produktionen von Revue-Operetten oder neue Operetten, die klassische parodieren, genannt werden. Die Operette diente auch als Sprungbrett für die Kinostars des aufkommenden Tonfilms und war ebenso Stoff für diesen.

Das Ziel dieses Beitrags ist, die Gegebenheiten der „Modernisierung“ der Operette, die in Berlin stattfand, darzulegen, wobei die von dem Bühnen- und Filmregisseur Erik Charell und dem Komponisten Ralph Benatzky gemeinsam geschaffene Operetten-Serie an dem großen Schauspielhaus Berlins im Zentrum steht und auch verschiedene Aspekte der Zusammenarbeit zwischen angrenzenden Unterhaltungsgenres eingeordnet werden. Es soll dabei auch die Entwicklung untersucht werden, wie zwei unterschiedliche Richtungen, nämlich die auf Emotionen setzende Tendenz zur Melodramatisierung und die satirische Tendenz zur Selbstparodie, die ab der zweiten Hälfte der 20er Jahre deutlich geworden waren, durch das Aufkommen des Nationalsozialismus nivelliert und vereinheitlicht wurden (was jedoch auch das Ende für die Operette bedeutete).

´╗┐