TSU, 107 | Moderation: Prof. E. Sturm-Trigonakis - 15.20-15.45

Sprachspezifische Aspekte der Übersetzung von Volksmärchen

Nino Tchumburidze, Tamar Tchumburidze (Staatliche Ivane Javakhishvili Universität Tbilissi)

Das Übersetzungsproblem literarischer Texte wird immer wieder aktiv diskutiert. Durch die Übersetzung wird die Kultur, Traditionen und die Lebenswelt einer Sprache in die andere übertragen, deshalb soll der Übersetzer das Alltagsleben und die Kultur der Ziel- und Ausgangssprachengesellschaft gut beherrschen und beim Übersetzen auch die geschichtlichen und literarischen Traditionen beachten. Er soll die Besonderheiten des Textes mitberücksichtigen, sie sprachlich, stilistisch und kulturell korrekt wiedergeben, so dass die entsprechende Wirkung des Zieltextes nicht verlorengeht.

Märchen, vor allem Volksmärchen, haben ihre besondere Stilmerkmale: formelhafter Anfang und Schluss, Wiederholungen, archetypische Symbole, Redewendungen. Die Struktur und die Sprache des Volksmärchens ist einfach und von stilistischen Figuren nicht besonders überlastet, sie steht näher zu der gesprochenen Sprache, aber trotzden ist es nicht einfach Volksmärchen zu übersetzen, man braucht tiefe Kenntnisse der Kultur des Volkes, das diese Märchen geschaffen hat. Die Märchen enthalten viele national gefärbte Realien, idiomatische Wendungen, Fraseologismen, traditionelle oder “sprechende” Eigennamen; die Sprache der Volksmärchen ist manchmal archaisch oder dialektal gefärbt, oft kommen im Text gereimte Frasen oder kleine Gedichte vor. Beim Vergleich der Übersetzungen mit dem Original sind diese Merkmale noch deutlicher und die Schwierigkeiten des Übersetzens von kulturspezifischem Vokabular (Anfang und Schlussformel, Fraseologie, Realia, Anthroponyme ethnischer Herkunft) gut sichtbar. Es ist von grosser Bedeutung, beim Übersetzen die Märchensprache nicht zu verändern, so dass die Stimmung erhalten bleibt.

Als Beispiel haben wir die Märchen von Brüder Grimm und deren georgische Übersetzungen (von Karchkhadze, Lortkipanidze, Bakhtadze und Tserediani) genommen und analysiert, ob und wie es den Übersetzern gelungen ist, den nationalen Geist der Märchen und die Techniken zu bewahren und gleichzeitig die für das Märchen charakteristische Natürlichkeit der Sprache und die schlichte Erzählweise auch in der Zielsprache zu erhalten.