TSU, 115 | Moderation: Prof. H. Weydt - 15.45-16.10

Toponyme Deutschlands – ein interdisziplinäres Forschungsobjekt unter kontrastivem Gesichtspunkt

Marina Andrazashvili (Staatliche Ivane Javakhishvili Universität Tbilissi)

Im Beitrag wird über mein laufendes Projekt zum Transfer deutschsprachiger Nomina Propria ins Georgische – Tradition und Trends berichtet. Im Mittelpunkt der Forschung stehen Toponyme sowie Anthroponyme, denn lediglich diese Namen werden in der germanistischen Onomastik auf Grund ihrer gemeinsamen markanten proprialen Merkmale einschlägig der Subklasse der Eigennamen zugeordnet. Das Endziel des Projektes ist es, ein zweisprachiges Orthographisches Wörterbuch georgischer Äquivalente der Toponyme Deutschlands, ergänzt durch Kurzkommentare kulturgeographischen bzw. kulturhistorischen Charakters zu erstellen. Es handelt sich dabei um ein umfangreiches, auf gegenwärtigen Tendenzen der Onomastik sowie der Translationstheorien basierendes und den modernen lexikographischen Anforderungen genügendes interdisziplinäres Projekt, dessen Innovation auf dem linguistischen Profil liegt.

Das Studieren des transferierten proprialen Wortschatzes im Georgischen im Kontext der gegenwärtigen Weltoffenheit bot mir die Gelegenheit, georgische Äquivalente der Toponyme Deutschlands auf ihre Korrektheit zu überprüfen, die als unkorrekt signierten/vermuteten Formen auszusondern und den Ursprung ihrer Fehlübertragung zu qualifizieren.

Die bisher durchgeführte Revision georgischer Quellen, mitunter auch unter diachronischem Gesichtspunkt, hat einerseits deutliche Divergenzen offenbart: zwischen den älteren und den jüngeren Versionen, zwischen den mündlichen und den schriftlichen Versionen der Äquivalente mancher Toponyme sowie eine gewisse Variabilität ihres Gebrauchs in der Belletristik und im Wissenschaftsdiskurs. Andererseits hat sie aber auch die Notwendigkeit signalisiert, die Sprache eventuell von den bislang unngerecht existierenden Unkorrektheiten zu befreien und nach einer alternativen, möglichst objektiven Gesetzmäßigkeit eines adäquateren Transfers der Eigennamen mit Rücksicht auf die phonotaktischen bzw. graphotaktischen Regeln des Georgischen zu suchen.

Die sukzessiven Arbeitsschritte, die ich bei der Analyse auf morphosyntaktischer, lexikalischer sowie semantischer Ebene unternommen habe, werden im Beitrag folgerichtig präsentiert. Zur Debatte gestellt werden einerseits die Übersetzbarkeit bzw. die Nichtübersetzbarkeit der Eigennamen je nach ihrer lexikalischen Beschaffenheit und nach den eventuell vorhandenen deskriptiven Merkmalen der appellativischen Bestandteile; andererseits aber auch das Prinzip des graphemorientierten bzw. des phonemorientierten Transfers der Endonyme im Falle ihrer Nichtübersetzbarkeit. Zwecks Überprüfung der Korrektheit der Äquivalente in der Zielsprache wird die Rückübertragbarkeit der Eigennamen in die Ausgangssprache als eines der Kriterien vorgeschlagen. Erörtert wird gleichzeitig auch die Adä­quatheit der in der Forschung verwendeten, zum Teil von mir neueingeführten fachspezifischen Terminologie. Bewertet wird nicht zuletzt die Relevanz der erschlossenen Kriterien aus der Sicht der Sprachuniversalien.