TSU, 115 | Moderation: Prof. E. Hess-Lüttich - 16.50-17.15

Die metaphorische Bedeutung der Wörter und ihre semantische Unterscheidung zwischen zwei Bedeutungsebenen (am Beispiel des Deutschen und Aserbaidschanischen)

Sanubar Zeynalova (Aserbaidschanische Sprachenuniversität)

Im Allgemeinen sehen die meisten Leute nur das, was vor ihnen ist. Um das Unterbewusste des Themas zu verdeutlichen, ist metaphorisches Denken sehr wichtig. Metaphern schaffen neues Wissen, sind von Natur aus anthropometrisch und spielen eine wichtige Rolle bei der Wahrnehmung der Sprachkultur. Metaphern können aktiv in den Geist und die Emotionen einer Person eingreifen, die wichtigsten Realitäten und Details aufdecken und unterschiedliche Interpretationen durch die Logik des Vergleichs und die semantisch-assoziativen Wahrnehmungen bereitstellen. Der schnellste Weg, die Wahrheit zu verstehen, führt über die Metapher.

Alle Wörter haben übertragene Bedeutungen. Das metaphorische System jeder Sprache ist eng mit den Eigenschaften der Welt, der Geschichte, den Traditionen und den kulturellen Werten der Menschen verbunden, die diese Sprache sprechen. Nationale Merkmale des metaphorischen Denkens bilden das „übertragene“ Bild der Sprache, das ein wichtiger Bestandteil des sprachlichen Weltbildes ist. Die Klassifizierung deutscher Metaphern nach Semantik und die Übersetzung derartiger lexikalischer Einheiten ins Aserbaidschanischen sind von Bedeutung. Jede Sprache ist in ihrer Sprachstruktur heterogen, und im Zentrum befindet sich eine literarische Sprache, die sich aus sprachlichen Metaphern zusammensetzt, die von verschiedenen sozialen Gruppen verwendet werde. Bei der Schaffung von Emotionen und Ausdruckskraft in künstlerischen Werken wird viel Wert auf die Verwendung von Metaphern gelegt, die dem Wechselspiel von Objekten und Ereignissen dienen. Aristoteles stellt fest, dass die Hauptbedingung für Sprecher darin besteht, Metaphern erstellen zu können. Dies zeige das wahre Talent.

Im Vortrag werden die Metapher-Beispiele des Deutschen und des Aserbaidschanischen verglichen. Im Kontext der orientalischen Kultur vergleicht man die Gazelle mit der „Jungfrau“, die als Symbol der Schönheit gilt (im Bereich der Persönlichkeitsanthropogonie). Wir sagen, dass eine Gazelle so schön ist wie ein schönes Mädchen. Durch den Vergleich einer Gazelle mit einem Mädchen erkennen wir nicht, dass wir ein anderes ästhetisches Objekt geschaffen haben. Oder, wenn ein Mensch listig und abgefeimt ist, wird er ‚ein alter Fuchs’ genannt,  auf Aserbaidschanisch: O qoca tülküdür. Wenn die Dame attraktiv und außergewöhnlich schön aussieht, sagt man, sie sei selbst die Kleopatra (Zalımın qızı Kleopatradır). In der aserbaidschanischen Belletristik findet man viele Metaphern, die genaue Äquivalente in der deutschen Dichtung finden:

Die Natur erwacht (Th. Mann) – Təbiət oyanır, gül bülbülü çağırır (İ. Şıxlı)

Im Schatten sah ich, ein Blümchen stehn... (J. W. Goethe) – Cəməndə bir gül gördüm... (M. Rahim)