TSU, 202 | Moderation: Prof. T. Borsche - 14.30-14.55

„Fremdes“ als Gattung des Verschiedenartigen

Pavel N. Donec (Nationale Universität Charkow)

„Fremdes“ ist ein fundamentaler Begriff, der den Status einer philosophischen Kategorie verdienen sollte.

Es hängt seinerseits aufs Engste mit dem „Anderen“ („Verschiedenartigen“) zusammen und lässt sich als informatives, pragmatisch geladenes, im logischen Sinne ausschließendes und das menschliche Handeln limitierendes „Anderes“ definieren.

Dementsprechend kann man das „Fremde“ in 4 Dimensionen einteilen:1. kognitive (fehlendes, unvollständiges bzw. falsches Wissen über fremde Objekte); 2) pragmatische (positive/negative Bewertung dieser Objekte); 3. exklusive (Nichtzugehörigkeit zu einer Klasse von Objekten); 4. operationale (Tätigkeiten, Handlungen, Operationen mit fremden Instrumenten, nach fremden Mustern usw.).

Das „Fremde“ ist ein korrelationaler Begriff, d.h. existiert nur in Koppelung an das „Eigene“, welches auch dieselben Dimensionen aufweist.

Bei interlingualen/interkulturellen Kontakten kommt es nicht selten zu Prozessen der Ver-Fremdung und der Ver-Eignung, die zu Fehlern und Missverständnissen führen können.

Mit Hilfe der Opposition „Fremdes“ ↔ „Eigenes“ lässt sich auch die alte kontrastiv-linguistische Frage, in welchem Verhältnis die Begriffe Muttersprache/Fremdsprache bzw. Erstsprache/Zweitsprache zueinander stehen, lösen: die erstere sollte nämlich als „Eigensprache“ (= maximal angeeignete Sprache) aufgefasst werden.