TSU, 202 | Moderation: Prof. T. Borsche - 14.55-15.20

Foucault vs. Kant oder was ist Aufklärung? Zur ewigen Aktualität der Aufklärung bei Michel Foucault

Konstantine Bregadze (Staatliche Ivane Javakhishvili Universität Tbilissi)

Nachdem der Metaphysiker Kant seine bekannte Schrift „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung“ (1784) veröffentlicht hatte, wo er für sich und für die nächsten Generationen summierte und bestimmte, wie die Aufklärung in ihrem Wesen “west” und was sie in ihrem Wesen ist, setzte sich nach genau 200 Jahren der Postmetaphysiker Foucault mit der Schrift von Kant auseinander. Ihr widmete er zunächst den Vortrag am Collège de France (vom 5. Januar 1983) und dann zwei Artikel mit dem gleichen Titel “Was ist Aufklärung” (“Qu’est-ce que les Lumières?” 1984). Wie es sich im Nachhinein herausstellte, waren es Foucaults letzte Schriften, mit denen im abendländischen Denken ein hermeneutischer Zirkel über die Frage herausgebidelt wurde, dass die Aufklärung weder Ereignis des eigentlichen 18. Jahrhunderts noch Gewinn bzw. Leistung der Moderne oder Postmoderne ist, sondern seit Kant ist sie der ewig gleiche “heroische” (Foucault) Prozess der ständigen Erarbeitung des aufwändigen kritischen Diskurses in der Öffentlichkeit. Seit Kant, so Foucault, kann das Wirken und Vorhandensein des Aufklärungsgeistes innerhalb der gegenwärtigen modernen Gesellschaft durch die Intensität des Prozesses beobachtet werden, was die eigentliche Modernität einer jeder Gesellschaft ausmacht.

Im Vortrag wird die Auffassung des Aufklärung-Begriffs bei Kant und die Kritik bzw. Erweiterung der kantschen Auffassung bei Foucault thematisiert.