TSU, 202 | Moderation: Prof. K. Jungbluth - 17.15-17.40

Ist Kulturwandel ohne Sprachwandel denkbar?

Iwa Mindadze (Staatliche Ivane Javakhishvili Universität Tbilissi)

Es scheint ein Paradox zu sein, dass trotz mehrerer, inzwischen klassisch gewordenen Definitionsversuche, von der Philosophie, bis zur Linguistik oder Ethnologie, so häufig gebrauchte Begriffe wie „Kultur“ und „Sprache“ wenig handhabbar sind. Mit welchen Definitionen man operieren wird, hängt oft von konkreten Arbeitszielen ab. Wir verstehen Kultur, als „ein normatives Symbolsystem, das der Welt der menschlichen Erfahrungen Sinn“ (Müller-Funk 2006, 13) und Wert verleiht. Dabei ist Kultur „kein Kompendium unveränderlicher Entitäten“ (Kuße 2012, 23), ganz im Gegenteil, sie verändert sich im Verlauf der menschlichen Geschichte. Diese Veränderungen dehnen sich manchmal über mehrere Generationen hinweg und sind für Individuen entsprechend schwer erkennbar, manchmal aber, verändert sich die Kultur unglaublich schnell, manchmal innerhalb weniger Jahrzehnten, wenn nicht Jahren.

Anhand konkreter Beispielen aus jüngsten Vergangenheit versuchen wir der Frage nachzugehen, „Wie bringt Sprache Kultur zum Ausdruck und wie spiegelt sich Kultur in Sprache wider“ (Vereščagin, Kostomarov, 2005, 17). Dabei wollen wir nicht nur gegenseitige Abhängigkeit der Kultur und der Sprache zu zeigen, sondern vor allem die psychologischen Mechanismen zu schildern, die dieses Wechselspiel ermöglichen.