TSU, 202 | Moderation: Prof. K. Jungbluth - 17.40-18.05

Beeinflussen die kommunikativen Aufgaben einer sprachlichen Handlung die Auswahl von Interpretationsrahmen? – Eine Fallanalyse am Beispiel des Framings von Gleichnisinterpretationen in den evangelisch-lutherischen Predigten

David Giorgobiani (Staatliche Ivane Javakhishvili Universität Tbilissi)

 

Der folgende Beitrag thematisiert das Verhältnis zwischen der Textinterpretation und des jeweiligen Handlungsmusters. Erfolgt die Interpretation unabhängig vom Rahmen der Interaktionsform oder trägt das umschließende Handlungsmuster auch dazu bei, dass nur bestimmte Interpretationsmöglichkeiten zum Tragen kommen, während die anderen außerhalb der Betrachtung bleiben? Eine Antwort auf diese Frage soll eine Untersuchung der Predigttexte zur Verfügung stellen, in denen eine und dieselbe Textstelle der Bibel interpretiert wird.

Das Korpus der Untersuchung bilden 23 evangelisch-lutherische Predigttexte, die sich auf das Gleichnis der zehn Jungfrauen im Matthäusevangelium beziehen. Die Forschungsfragen kreisen sich um den Zusammenhang zwischen den kommunikativen Aufgaben der Predigt und den Interpretationstendenzen in den Predigttexten. Das begriffliche Instrumentarium der Analyse stammt zum größten Teil aus der bekannten Rahmentheorie Erwin Goffmanns sowie aus den modernen Framingkonzepten in den Medienwissenschaften.

Die Vorgehensweise der Untersuchung stellt eine Kombination aus der deduktiven und induktiven frameanalytischen Methode dar: Die Identifikation der Interpretationsrahmen erfolgt im ersten Anlauf deduktiv – ausgehend vom Inhalt des Gleichnisses und dessen Interprationsmöglichkeiten, wobei die Tendenzen der Interpretation anschließend induktiv aus dem Textkorpus selbst abgeleitet werden. Die Ergebnisse werden zum Schluss in den Zusammenhang mit der allgemeinen Definition der Predigtfunktion(en) gebracht.

Ausgehend von den Untersuchungsergebnissen wird im Folgenden die These vertreten, dass die Interpretationstendenzen in den Predigten stark mit deren kommunikativen Aufgaben korrelieren.