TSU, 212 | Moderation: Prof. N. Dobordschginidse - 14.30-14.55

Bronzene Hortfunde der Kolchis-Kultur anhand des archäologischen Materials aus Südwest Georgien

Joni Apakidze (Deutsches Archäologisches Institut Berlin)

In der Spätbronze- und Früheisenzeit (1600 -700 v. Chr.) war die Kolchis-Kultur in der West- und Zentralkaukasien sowie auf dem Territorium heutiger Nordosttürkei verbreitet. Diese Kultur ist nicht nur anhand der archäologischen Ausgrabungen, sondern auch anhand der assyrisch-urartäischen und griechisch-römischen Schriftquellen gut bekannt. Außer den zahlreichen Siedlungen und Gräberfeldern unterschiedlichen Typs ist die Kolchis-Kultur durch die bronzenen Hortfunde bekannt.

Die Untersuchung der bronzenen Horte der Kolchis-Kultur in den georgischen Museen hat der Verfasser im Rahmen des DFG-Projekts schon Ende 2017 angefangen. Hier werden nur die Bronzehorte präsentiert, die im Archäologischen Museum von Batumi aufbewahrt sind und die der Verfasser im August 2019 untersucht hat. Das sind die Bronzehorte aus Kirnati, Sichalidzeebi, Tsoniarisi, Vaio, Zeniti und Zundagi. Die Horte der Kolchis-Kultur bestehen meist aus den Kombinationen von verschiedenen Bronzeobjekten (Äxten, Hacken, Hellebardenklingen, Sicheln, Lanzenspitzen, Armringen) sowie aus den massiven Ringen, Lanzenspitzen, Gusskuchen u. a. Es gibt auch Horte, die nur aus den Bronzeäxten oder nur aus den Gusskuchen unterschiedlicher Form und Größe bestehen. Auch die Hortfunde des Archäologischen Museums zeigen diese verschiedenen Kombinationen der Bronzeobjekte. Zum Beispiel der Hortfund aus Kirnati besteht nur aus sieben bronzenen kolchischen Äxten; der Hort aus Sichalidzeebi besteht aus acht bronzenen kolchischen Äxten, aus 20 Fragmenten eines bronzenen Gurtelbleches sowie aus den Fragmenten vermutlich von drei oder vier Tongefäßen. Der Hort von Tsoniarisi besteht nur aus zwei Bronzeobjekten: aus einer Bronzefibel und aus einem bronzenen Anhänger; im Hort von Zundagi befinden sich eine ostkaukasische Bronzeaxt, eine Flachaxt, ein bronzener Armring mit den geöffneten Enden, zwei massive bronzene Ringe ebenfalls mit den geöffneten Enden, zwei Gürtelhacken und ein bronzenes Meißelfragment (?); der Hort Vaio ist insbesondere interessant, weil die Bronzeobjekte dieses Hortes in einem Tongefäß gelagert waren, welches außen eine kannelierte Oberfläche hatte. Dieser Hort besteht aus fünf bronzenen Schläfenringen, davon vier sind die sog. 1,5 Schläfenringe, und aus einer bikonischen bronzenen Perle. Anschließend möchte hier der Verfasser den Hort aus Zeniti erwähnen, welcher aus den unterschiedlichen Bronzegegenständen besteht: Es sind Bronzeäxte, Hellebardenäxte, Hacken, Hellebardenklingen, Lanzenspitzen, Sicheln und Gusskuchen sowie vier unbestimmtbare Bronzeobjekte. Im Hort aus Zeniti befinden sich insgesamt 100 Bronzeobjekte, von denen 7 Gegenstände zurzeit im Museum leider nicht vorhanden sind.

Die meisten Objekte der oben genannten Horte sind entweder gebrochen oder als Fragment vorhanden. Die Untersuchungen haben den Verfasser davon überzeugt, dass die Bronzeäxte, Hacken und Hellebardenklingen in den Regeln beschädigte oder gebrochene Nacken haben. Die Schneideteile dieser Objekte sind ebenfalls gebrochen, beschädigt oder stumpf. Das betrifft auch alle anderen Bronzeobjekte der Horte. Die Gusskuchen der Horte sind meistens fragmentarisch vorhanden. Es sind auch oft Feuerspuren verschiedener Maßstäbe an den Gegenständen und Barren zu sehen. Es besteht kein Zweifel, dass die Horte in der alten Kolchis, wie in Europa, in der Bronzezeit eine sakrale Bedeutung hatten und die Gaben an die Götter waren. Bekanntlich waren die bronzenen Horte in der Bronzezeit in Europa weit verbreitet. In der europäischen Hortfundforschung werden hauptsächlich die religiösen oder ideologischen Aspekte weitgehend vorangezogen. Die kolchishe Hortfunde weisen auch eindeutig darauf hin, dass die meisten Horte des Ostschwarzmeergebietes, wenn nicht alle, die Gaben an verschiedene Götter waren. Darauf weisen die vor der Opferung absichtlich, meist mit bestimmten Regeln zerstörten Bronzeobjekte der Horte (Äxte, Hacken, Hellebardenklingen u. a.) sowie die deutlich erkennbaren Spuren des heiligen bzw. rituellen Feuers an den Bronzeobjekten der Hortfunde hin. Die Horte des Archäologischen Museums Batumi gehören den verschiedenen Stufen der Spätbronzezeit an.