TSU, 212 | Moderation: Prof. L. Taseva - 9.30-9.55

Realien als Übersetzungsproblem

Gayane Ginoyan  (Staatliche W. Brjussow-Universität für Sprachen und Sozialwissenschaften Jerewan)

 Literarische Texte haben keine eindeutige, allgemeingültige und objektive Erläuterung, deshalb werden solche Texte im Unterschied zu den Sachtexten anders geschätzt. Und literarische Übersetzung muss sich, anders als die Übersetzung der Sachtexte, nicht auf die Übertragung der Worte beschränken. In den übersetzten literarischen Texten muss sich sowohl die Sprach- als auch die Denkwelt des Autors wiederfinden.

Die literarische Übersetzung hat die Aufgabe, den Alltag und das Leben einer ganz anderen Welt in eine unbekannte Welt zu übertragen und das auf der Ebene der Semantik, Pragmatik und Stilistik. Diese fremde Realität kann manchmal durch die Sprachmittel der Zielsprache nicht genau übertragen werden. So entstehen im Übersetzungsprozess durch den Wortschatz, der nur teilweise eine Äquivalenz in der Zielsprache hat, und den Wortschatz, der überhaupt keine Äquivalenz in der Zielsprache hat, bestimmte Schwierigkeiten.

Dabei unterscheidet man zwischen den Übersetzungsschwierigkeiten und den Übersetzungsproblemen. Übersetzungsprobleme sind objektiv durch sprachliche, kulturelle und situative Unterschiede bedingte Quellen der Differenz zwischen dem Ausgangs- und dem Zieltext. Übersetzungsschwierigkeiten sind dagegen durch Wissenslücken bedingte Fehlerquellen beim Übersetzen oder Dolmetschen zwischen natürlichen Sprachen.

Zu den Übersetzungsproblemen durch kulturelle Unterschiede zählt die Übersetzung von sogenannten Realiennamen. Die Realien sind die alltäglichen, politischen, historischen Kultureinheiten eines Volkes, die spezifischen Begriffe eines Landes und einer Region, die unterschiedlichen Maßeinheiten, Eigennamen, sowie die Bezeichnungen der Speisen, Kleidungsstücke, Feste, Ämter, Parteien, sozialer Institutionen, Verhaltensweisen, Erfahrungs- und Denkkategorien und traditionell-kollektive Einstellung zu Dingen, die den Kulturelementen eines anderen Volkes nicht entsprechen und unübersetzbar sind, wie z. B. auf Armenisch մածուն (matsun), թոնիր (thonir), վարդավառ (vardavar). Sie sind die Identitätsträger der nationalen, ethnischen Kultur. Und damit das übertragene Ereignis in der Ausgangssprache dem Leser der Zielsprache klar wird, braucht man eine vollständige kontextuale Erklärung.

Die Schwierigkeiten werden natürlich umso größer, je unterschiedlicher die Kulturkreise sind, denen die beiden am Übersetzungsvorgang beteiligten Sprachen angehören.