TSU, 212 | Moderation: Prof. L. Taseva - 9.55-10.20

Die politische Karriere eines literarischen Textes: Stalin und die deutschen Übersetzungen von Suliko

Nino Popiashvili (Ivane Javakhishvili Tbilisi State University) 

Akaki Tseretelis berühmtes Gedicht "Suliko" wurde 1895 in der Zeitung "Kvali" veröffentlicht. Das genaue Datum der Abfassung des Gedichts ist nicht bekannt, ein Autogramm des Gedichts liegt auch nicht vor. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass das Gedicht im selben Jahr geschrieben wurde.

Zu Lebzeiten des Dichters entstanden Lieder nach seinen Gedichten. Eine Erinnerung von Barbare (Varinka) Matschawariani-Tsereteli über die Entstehung der "Suliko"-Melodie ist erhalten. Stalin sorgte für die Popularität des Liedes “Suliko” in Sowjetrussland. In georgischen Quellen wird jedoch selten hervorgehoben, dass "Suliko" Stalins Lieblingslied war. Möglicherweise hat Stalin "Suliko" während seiner illegalen Tätigkeit im Untergrund im Haus von Barbara (Varinka) Matschavariani-Tsereteli gehört.

1934 verwendete Micheil Tschiaureli die Melodie von "Suliko" in seinem Film "Die letzte Maskerade", was keine unbedeutende Rolle für den Erfolg des Filmes gespielt haben soll. Der Film gehörte zu den Lieblingsfilmen Stalins.

Es sind deutsche Übersetzungen des "Suliko"-Gedichtes bekannt. Das Lied “Suliko” gehörte zum Repertoire einiger deutscher Musikensembles. In den 40-50er Jahren hat es in der DDR mehrere Auflagen von "Suliko"-Schallplatten gegeben.

Im Bericht werden deutsche Übersetzungen von ,,Suliko" (Alexander Otto, Ernst Bush, Adolf Endler) sowie die Gründe für die Popularität von ,,Suliko" in Zeiten des massiven Terrors erörtert.